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Die primäre Aufgabe der Landwirtschaft ist die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Nahrungsmitteln. Dies unter Berücksichtigung der verfügbaren natürlichen Ressourcen im Land und im Einklang mit den Erwartungen der Bevölkerung. In einigen Sektoren, wie bei der Milch oder beim Fleisch, deckt die Schweizer Produktion den Bedarf, während wir in anderen Bereichen, z.B. bei Früchten, Geflügel oder Gemüse, stark von Importen abhängig sind.

 

Ernährungssouveränität will nicht einen Selbstversorgungsgrad von 100% erreichen, aber sie hat zum Ziel die Möglichkeiten unserer Landwirtschaft nachhaltig und verantwortungsvoll zu nutzen. Deshalb ist es wichtig eine vielfältige Bewirtschaftung zu erhalten. Eine hochspezialisierte Produktion in Monokulturen mit hoher Wertschöpfung  in der industriellen Verarbeitung führt dazu, dass wir schlussendlich andere  Grundnahrungsmittel, die wir ohne weiteres hier produzieren könnten, importieren müssen.

Die Ernährungssouveränität gibt der lokalen Produktion den Vorrang, um damit eine starke lokale Wirtschaft zu erhalten, um Transporte zu reduzieren und die Rückverfolgbarkeit zu verbessern. So ist es entscheidend, dass die „Qualitätsstrategie“, die für die Schweiz entwickelt wurde, nicht zu einem Instrument zur Exportförderung von hochverarbeiteten Luxuswaren missbraucht wird, sondern sich dem Konzept der Ernährungssouveränität anschliesst.

Um ein Beispiel zu geben. Es ergibt keinen Sinn, dass wir Gruyère oder Tilsiter produzieren und diesen Käse hier und im europäischen Ausland verkaufen, und andererseits Trink-Milch aus Polen oder Rumänien importieren müssen, weil diese nicht als „edel“ genug anerkannt wird, oder nicht als Qualitätsprodukt klassiert wird und aus diesem Grund dann nicht mehr lokal produziert wird. Wir müssen anerkennen, dass Nahrungsmittel Güter sind, welche nicht mit anderen Waren, wie Maschinen oder Präzisions- Werkzeuge, zu vergleichen sind.

Die Schweiz wird bei den Futtermitteln immer abhängiger von Importen aus dem Ausland. Das ist ein ökologischer und ethischer Unsinn. Eiweisspflanzen wie Soja, Luzerne oder Energiepflanzen wie z.B. Mais, werden hauptsächlich in Ländern wie Basilien, Argentinien oder Rumänien in grossem Stil angebaut. Dieser industrielle Anbau verdrängt dort die bäuerliche Landwirtschaft. Dies führt dazu, dass wir vermehrt auf Kosten unserer KollegInnen in anderen Regionen leben und wir tragen so dazu bei, dass dem Landgrabbing  dort Vorschub geleistet wird.

Allerdings existiert in der Schweiz die Kapazität Futtermittel, auch Eiweisspflanzen, selbst anzubauen. Auch hier geht es nicht darum den Selbstversorgungsgrad auf 100% zu steigern, sondern darum zu verhindern, dass er unter die Marke von 50% sinkt. Mit geeigneten Massnahmen könnte der lokale Anbau gesteigert werden. Zum Beispiel mit  einer Mischung aus Direktzahlungs- und Grenzschutzmassnahmen, Förderung der Züchter und Landwirte und deren Infrastruktur,  durch eine interne Finanzierung aus z.B. Zolleinnahmen, und einer Agrar-Forschung, die der einheimischen Landwirtschaft dient.