bannerDE-4cLaut der Studie von Igas wären bei einem trilateralen Freihandelsabkommen Schweiz-EU-USA (TTIP) die Verluste für  Schweizer Bauern mit jährlich 587 Millionen zwar enorm, aber laut ihrer Einschätzung nicht existenzbedrohend. Bei der Igas sind neben Nestlé, Migros und Economiesuisse auch diverse bäuerliche Organisationen wie IP-Suisse, Bio-Suisse, Suisseporcs und Mutterkuh Schweiz Mitglied. Viele dieser Organisationen, auch Bio Suisse, fordern nun begleitende Massnahmen für das Freihandelsabkommen, wie Kompensationen der hohen Baukosten und Löhne, Grenzschutz etc. Wir sind der Meinung, dass das nicht reicht.

Auf die Frage, was Bio Suisse namentlich zu einem noch grösseren Importanteil von Bio-Getreide meint, äussert sich Lukas Inderfurth, Mediensprecher von Bio Suisse, im Schweizer Bauer vom 27.8.2016 wie folgt: «Bei TTIP werden besonders sensible Produkte Grenzschutz geniessen, und wir sehen keinen Grund, weshalb dieser ausgerechnet beim Getreide aufgehoben werden sollte. Zudem sehen wir es auch als Chance, dass das Bio-Sortiment durch Importe erweitert und damit Bio für noch mehr Kunden attraktiv wird.»

Diese Sichtweise erstaunt uns sehr. Wen hofiert da die Bio Suisse? Es ist kein Geheimnis, dass der Handel profitieren wird, gleichzeitig aber die Bäuerinnen und Bauern am härtesten betroffen sein werden. Mehr und hauptsächlich billigere Lebensmittel – auch Bioprodukte - werden die Inlandproduktion massiv unter Druck setzen.

Uns ist klar: Umweltschutz und mehr Freihandel lassen sich nicht vereinbaren. Weiterer Konkurrenzdruck in der Landwirtschaft wird unweigerlich auf Kosten der Umwelt, der Tiere, der Menschen und der Lebensmittelqualität gehen- hier und weltweit - und damit wird der Biogedanke verraten.

 

Beispiele - was auf dem Spiel steht:

  • Regionalität: Die USA erkennen geografische Angaben gesetzlich nicht an. Die EU plädiert hingegen für ein eigenständiges staatlich gesteuertes Schutzsystem für geografische Angaben.      
  • Produzentenpreise: Diese werden durch das TTIP-Abkommen noch massiver unter Druck kommen. Selbst das US-Landwirtschaftsministerium prognostiziert sinkende Erzeugerpreise für die EU-Bäuerinnen und Bauern. Gemäss oben erwähnter Igas-Studie wird in der Schweiz der Weizenpreis um 44%, der Schweinepreis um 42%, der Rindfleischpreis um 27% sowie der Preis für Geflügel um 29% einbrechen.     
  • Generell wird von Seiten der USA ein enormer Druck aufgebaut, um Standards anzugleichen, resp. in ihrem Sinne aufzuweichen. (z.B. bezüglich Hormonfleisch, GVO, Pestizide, Desinfektionsmittel etc.)

Wir fordern eine klare Position von Bio Suisse gegen solche Mega-Freihandelsabkommen und einen klaren Blick über den Bio-Tellerrand hinaus, denn die gesamte Landwirtschaft ist betroffen und das sollte uns nicht egal sein! Nun haben es die Delegierten in der Hand, die Bio Suisse in die (Handels-)Schranken zu weisen.

Unterzeichnerinnen: Biobäuerinnen und Angestellte in der Landwirtschaft

Eveline Buchwalder, Regula Imperatori, Elsbeth Arnold, Eva Schöni, Monika Gerlach, Donata Clopath, Rahel Kilchsperger, Ulrike Minkner, Tabea Münger, Berthe Darras, Wendy Peter, Christine Hürlimann,  Stefanie Schenk